Datenpolitik #65: AI schafft sich ab
Der Benefit von AI wird nicht magisch-agentische Automatisierungsoptimierung sein. Vielleicht werden Menschen lernen, Datenformate und Datenstrukturen zu verstehen, statt sich von AI ärgern zu lassen.
Diffuse Problembeschreibungen müssen gar nicht präzisiert werden. Die Antwort ist: AI. AI als Antwort auf ungestellte Fragen löst 42 ab. Der Passagierschein A38 ist durchschaubar wie ein Sudoku für Inumeranten gegen die unausgesprochenen Erwartungen an AI. Geschäftsführer holen sich wohlwollendes Nicken von Aufsichtsräten, wenn sie stolz auf AI-Projekte in ihren Organisationen verweisen können. Egal, welche Probleme dabei nicht gelöst werden. Dampfmaschine und Druckerpresse hecheln mit vereinten Kräften dem patschentragenden ChatGPT-User mit seinem Smartphone hinterher, der mit Quantensprüngen über die Karriereleiter hinaus stürzt.
Ich glaube durchaus an große Veränderungen durch AI und sich sehe viel nützliches Potenzial. Der nützlichste Effekt von AI wird allerdings keine direkte Folge des Chattens mit Superintelligenzen sein, es werden keine maschinell gestreamlineten Prozesse sein und auch agentische Automatisierung, der wir hilflos zusehen wie Autostopper am Straßenrand wird nicht die größten Veränderungen bewirken.
Der größte Lerneffekt aus halbfertigen AI Projekten wird sein, dass Anwender sich mit Datenstrukturen und -formaten beschäftigen müssen. AI ist keine Magie. AI kann einige möglicherweise interessante Perspektiven aus Datenmüll destillieren. Daraus entstehen aber keine verlässlichen Entscheidungen. Das sind vage Ratespiele, auf denen keine Automatisierung aufbauen sollte. Der Versuch, hier mehr Verlässlichkeit zu erzeugen, wird auf die Spur technischer Grundlagen führen, die viele AI Anwender bislang ignoriert haben.
AI kann nur dann sinnvolle Ergebnisse liefern, wenn die Datenqualität des Ausgangsmaterials einigermaßen brauchbar ist, wenn der Datenmüll einigermaßen sorgfältiger Mülltrennung unterzogen wird. Chatbot-Anwender machen sich keine Gedanken über den Unterschied zwischen .pdf und .csv, sie können ja beides lesen. Oberflächlich verwischt AI den Unterschied zwischen maschinen- und menschenlesbaren Datenformaten. Verlässliche AI-Antworten gibt es allerdings nur mit im klassischen Sinn maschinenlesbaren Datenformaten in gut aufbereiteten Datenstrukturen.
Und das bedeutet auch: AI wird dann am erfolgreichsten sein, wenn sie sich selbst abschafft. Wenn das Bedürfnis nach AI-getriggerter Effizienz so stark ist, dass Anwender Daten so gründlich aufbereiten, dass auch AI damit verlässlich arbeiten kann, braucht es keine AI mehr. Dann erledigen auch simple regelbasierte Algorithmen den Job. Aber es wäre eine echte Errungenschaft für AI, diese Revolution in Digital Literacy befördert zu haben.
Und nüchtern betrachtet: Es ist die Essenz alle AI Governance-Grundsätze und aller Guardrails für den sicheren Einsatz von AI in kritischen Umgebungen, AI als Berater und Katalysator in der Entwicklung einzusetzen, aber von Produktivumgebungen fernzuhalten.


